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Archiv für Oktober 2011

Mythos »Nakba«: Die Entstehung Israels – Legenden und Wirklichkeit

04. November 2011, 19 Uhr
Berlin, Amadeu Antonio-Stiftung, Linienstr. 139
Vortrag und Diskussion mit Alex Feuerherdt

Nur wenige Stunden nach der Gründung Israels am 14. Mai 1948 – die dem ein knappes halbes Jahr zuvor verabschiedeten Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen folgte – erklärten Ägypten, Transjordanien, Syrien, der Libanon, Saudi-Arabien und der Irak dem jüdischen Staat den Krieg und griffen ihn an. Das erklärte Ziel der arabischen Allianz war es dabei, Israel mit militärischen Mitteln zu beseitigen, doch den israelischen Streitkräften gelang es, das Land zu verteidigen und die gegnerischen Armeen zu schlagen. Im Zuge dessen, aber auch schon während des vorangegangenen Bürgerkrieges zwischen jüdischen und arabischen Milizen, verließen mehrere hunderttausend palästinensische Araber das Land – teilweise infolge von Kriegshandlungen, vielfach jedoch auch auf Geheiß der arabischen Staaten, die freie Bahn für ihren Angriff haben wollten und eine triumphale Eroberung und Zerstörung Israels ankündigten.

Mythos Nakba

Gleichwohl vertritt die palästinensische Seite bis heute unverrückbar die Position, dass die Gründung des jüdischen Staates eine »Nakba«, also eine Katastrophe gewesen sei – vergleichbar mit dem Holocaust – und dass erst jüdisch-zionistische Milizen und danach die israelische Armee die palästinensischen Araber gezielt und systematisch von ihrer heimischen Scholle vertrieben hätten. Dieser zählebige Mythos wird auch von den europäischen Sympathisanten der Palästinenser vertreten, die dabei wesentliche historische Entwicklungen und Ereignisse ausblenden oder verdrehen und die Araber respektive Palästinenser für gewöhnlich als so unschuldige wie harmlose Opfer einer generalstabsmäßig geplanten zionistischen Aggression betrachten.

Diese Sicht- und Herangehensweise folgt einer in den Gesellschaftswissenschaften höchst populären postmodernen Strömung, die keine historischen Tatsachen mehr kennen will, sondern nur noch »Narrative«, also angeblich gleichwertige subjektive Erzählungen von »Betroffenen«. Ist dieser Ansatz ganz grundsätzlich mehr als fragwürdig – weil es ihm nicht um die Wahrheit zu tun ist, sondern bloß um Befindlichkeiten und »Identitäten« –, so führt er in Bezug auf den »Nahostkonflikt« absichtsvoll zu einer Dämonisierung und Delegitimierung Israels: Aus einer scheinbar äquidistanten Position heraus werden dem Zionismus und dem jüdischen Staat letztlich die Existenzberechtigung abgesprochen, werden die Palästinenser zu den »Opfern der Opfer« und die Israelis zu Okkupanten, Räubern und Mördern. Der antisemitische Subtext ist dieser Methode immer schon eingeschrieben.

Der Vortrag von Alex Feuerherdt wird sich dem Mythos »Nakba« sowie weiteren Legenden im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel widmen und prüfen, weshalb sie bis heute gepflegt werden, warum sie so überaus populär sind, wie sich demgegenüber die Wirklichkeit darstellt und warum eigentlich niemand ein Rückkehrrecht für die Hunderttausenden Juden fordert, die 1948/49 aus den arabischen Staaten, in denen sie lebten, fliehen mussten.

Alex Feuerherdt (42) ist Lektor und freier Publizist. Er lebt in Köln und schreibt schwerpunktmäßig über den Nahen Osten, u.a. für Konkret, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel.

Die Veranstaltung wird organisiert vom stipendiatischen Arbeitskreis Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung und unterstützt vom LAK Shalom Berlin. Sie findet im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus statt.

Bericht und Audiomitschnitt des Vortrags „Ob du wirklich richtig stehst… – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position“

Am 28.09.2011 referierte Magnus Henning von der HUmmel Antifa in der Berliner Tristeza über eine mögliche linke Positionierung zum Islam. Organisiert wurde die Veranstaltung vom LAK Shalom Brandenburg mit Unterstützung von DIKA e.V.

Die Veranstaltung knüpfte an Floris Biskamps Vortrag Feindbild Islam? vom Anfang dieses Jahres an. Dieser machte ein in der Gesellschaft stärker werdendes Ressentiment gegenüber MuslimInnen aus, betonte aber zugleich, dass Kritik und Ressentiment nicht immer klar voneinander zu unterscheiden sind.

Hier setzte Magnus Henning an und erklärte, dass es durchaus klare Merkmale gibt, um einen Unterschied zu erkennen: So zielt das Ressentiment darauf ab, Menschen über Kategorien wie Ethnie oder Religion bestimmte unveränderliche Eigenschaften oder Meinungen zuzuschreiben. Die Kritik hingegen ermöglicht es den Kritisierten, sich zu ihr zu verhalten. „Entweder zielen die Argumente auf den unterdrückerischen Charakter der islamischen Ideologie oder alles, was da über den Islam zusammengetragen wird, verdichtet sich zu einer ethnopluralistischen Argumentation gegen die Migration“, so Henning.

RechtspopulistInnen als IslamkritikerInnen zu bezeichnen, ist demzufolge falsch. Ihnen geht es nicht darum, sich dem politischen Islam entgegen zu stellen. Stattdessen zielen sie lediglich darauf ab, die eigene Volksgemeinschaft vor der Überfremdung zu bewahren: „Wenn der Islam von diesen Leuten herangezogen wird, geht es darum, vor der Islamisierung zu warnen, also vor der Übernahme Europas durch fremde Mächte, nicht um die Ablehnung einer regressiven gesellschaftlichen Praxis.“, erörterte Henning.

Doch nicht nur RechtspopulistInnen wurden der Kritik unterzogen. Auch innerhalb der Linken gibt es ein positives Ressentiment gegen den Islam. Hierbei werden die AnhängerInnen des Islams pauschal unter besonderen Schutz genommen, da sie sich angeblich einem westlich-hegemonialen Diskurs ausgesetzt sähen. So sei die Kritik an verbreiteten rückschrittlichen Praktiken im muslimischen Glauben immer mit Rassismus verbunden, da lediglich die Aufklärung gegen die Werte des Islams in Stellung gebracht würden. „Bei denen, die die Werte der Aufklärung als eurozentrisch denunzieren, kann es nur um Dekonstruktion gehen, die keine Richtung kennt. Sie ist demnach nicht mehr als bloße Denkübung. Man mag vielleicht die Werte der Aufklärung als gedankliches Konstrukt entlarven, das hegemonial geworden ist, aber damit ist noch nichts gewonnen. Es muss im Sinne der Kritischen Theorie darum gehen, die schlechte Vermittlung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft zu kritisieren und durch eine bessere ersetzen zu wollen. Unter postmodernen DekonstrukteurInnen ist es jedoch eher en vogue die Differance durch wahllose Zertrümmerung durchzusetzen, ohne sich die Frage nach Sinn und Unsinn zu stellen“, sagte Henning in diesem Zusammenhang und erwähnte positiv die Revolutionäre in Tunesien, die sich Laizismus und Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben. So meinte Henning, dass das Problematische an der Aufklärung und der Moderne nicht ist, dass sie zuerst in Europa entstanden, sondern dass ihre Werte lange Zeit anderen Menschen vorenthalten wurden.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem über die Wirkmächtigkeit islamischer Ideologie gestritten. Während Magnus Henning die Position vertrat, dass die Chance für eine Öffnung des Islams durch liberale oder säkulare Kräfte eher gering ist, argumentierten viele ZuhörerInnen, dass nicht die Verbreitung regressiver Glaubenspraktiken ursächlich für Islamismus ist, sondern generell die soziale und politische Stagnationen in den muslimisch geprägten Ländern.

[Download: Ob du wirklich richtig stehst… – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position]

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