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Archiv für Juli 2012

Kein Al Quds-Tag! Gemeinsam gegen Antisemitismus!

Kein Al Quds Tag 2012 in Berlin!

Warum djihadistisch nicht das neue schwul sein sollte – Bericht und Mitschnitt vom Vortrag mit Floris Biskamp

Am 13. Juli referierte Floris Biskamp in Berlin zur Frage ‚Ist djihadistisch das neue schwul?‘ und setzte sich mit den Aporien des Konzeptes vom sogenannten Homonationalismus auseinander, das vor allem Judith Butler und Jaspir Puar vertreten. Mit dem Begriff solle ausgedrückt werden, dass die zunehmende Anerkennung von Homosexualität in westlichen Ländern zu neuen Ausgrenzungsmechanismen geführt habe – beispielsweise gegen queere People of Colour.

Zwar sei diese These durchaus eine Überlegung wert, wie Biskamp festhält, doch würden einige queere Theoretiker*innen daraus die falschen Schlüsse ziehen. So plädiere Puar sogar dafür, Selbstmordattentäter*innen durch eine queere Lesart zu Bündispartner*innen gegen das noch immer vorhandene Ausschließen „des Anderen“ zu gewinnen, da diese nach den Terroranschlägen von 9/11 die vormals von Homosexuellen eingenommene Rolle des als pervers empfundenen Anderen übernommen hätten. Daraus ableitend stigmatisiere Puar jede Kritik an gesellschaftlichen Zuständen in islamisch geprägten Ländern als islamfeindlich, so Biskamp. Dieser Pauschalisierung stehe eine andere gegenüber: So gäbe es in Israel nur deshalb eine vergleichsweise homosexuellenfreundliche Politik, weil dadurch lediglich die Besatzung von Palästinenser*innen verschleiert würde – Israel also sogenanntes „Pinkwashing“ betreibe.

Die Wahrnehmung von Queers of Colour, rassistisch behandelt zu werden, gelte als Beleg für Rassismus. Die Wahrnehmung von Israelis hingegen, sich bedroht zu fühlen, gelte jedoch nicht als legitim – vielmehr artikulierten sich darin paranoide Komplexe. Die Kritik am Othering ende damit am Othering am Judenstaat, wie Biskamp konstatiert. Statt sich polemisch auf muslimische Homophobie einerseits oder rassistischen Homonationalismus andererseits zu fixieren, gelte es beide Probleme anzuerkennen und die Grenzen zwischen Kritik und Rassismus auszuhandeln. Hierzu zähle auch, eine Begrifflichkeit von Emanzipation zu entwickeln, anstatt sich pauschal mit allem Ausgestoßenen zu solidarisieren, wie Biskamp ausführt.

[Download: Ist djihadistisch das neue schwul?]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

Vortrag am 13. Juli in Berlin: Ist djihadistisch das neue schwul?

Erkenntnisse und Aporien der Queer Theory am Beispiel des Begriffes ‚Homonationalismus‘
Vortrag & Diskussion mit Floris Biskamp

Auch dieses Jahr wurden im Vorfeld des Berliner CSD wieder Diskussionen laut, ob sich der LGBT-Mainstream eines „Homonationalismus“ schuldig macht und sich insbesondere dem Islam und Muslimen gegenüber rassistisch verhält. Um einschätzen zu können, ob und inwieweit solche Vorwürfe zutreffen oder ob es sich um bloße Polemik handelt, ist es entscheidend, ihren theoretischen Hintergrund zu verstehen.

Diesen bilden insbesondere die Texte von Judith Butler und Jasbir Puar, deren Beitrag zur Queer Theory im Vortrag diskutiert werden soll. Den beiden Autorinnen nach haben Homosexuelle in Zeiten des „War on Terror“ als Feindbilder ausgedient; die Rolle des als krankhaft, pervers und unproduktiv ausgeschlossenen Anderen werde heute von Muslimen oder genauer von dschihadistischen Selbstmordattentäter_innen erfüllt. Puar und Butler zufolge machen sich westliche LGBT-Organisationen an dieser neuen Feindbildbestimmung mitschuldig und integrieren sich so „homonationalistisch“ in den „islamophoben“ Mainstream. Dies sei insbesondere der Fall, wenn der Krieg in Afghanistan oder die israelische Politik gegenüber den Palästinenser_innen mit Verweis auf LGBT-Rechte legitimiert, also „pinkgewaschen“ werde.

Floris Biskamp zeigt, wie die Vertreter_innen dieses Ansatzes zwar reale rassistische Tendenzen thematisieren, ihre Kritik letztlich aber ins Bodenlose geht und zur Parteinahme für reaktionäre politische Bewegungen führt. So bezichtigen Butler und Puar westliche LGBT-Organisationen, die Homophobie unter Muslimen kritisieren, pauschal des Rassismus, nehmen religiöse Fundamentalist_innen aber vor Kritik in Schutz.

Zur Person:
Floris Biskamp hat in Gießen und Boston Physik und Politikwissenschaft studiert. Aktuell verfolgt er ein Promotionsprojekt über Kritische Theorie, Postcolonial Studies und antiislamische Ressentiments in Deutschland. Er publiziert unter anderem in Jungle World und Phase 2.

Freitag, 13. Juli, 19 Uhr
Amadeu Antonio Stiftung, Linienstr. 139, 10115 Berlin

Die Veranstaltung wird organisiert vom Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend Solid.

Zum Weiterlesen: Homonationalismus & Pinkwashing?! Israelfeindschaft aus der Queer Theory (Flyer des BAK Shalom)