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Archiv für August 2012

Redebeitrag des LAK Shalom Berlin zu den Protesten gegen den Al Quds-Marsch: Kein freies Syrien ohne Kritik des Antisemitismus

Wozu jedes Jahr einen neuen Demoaufruf, wenn sich doch die Welt seit August vergangenen Jahres nicht verändert hat? Noch immer marschieren Islamisten, noch immer gibt es den Al Quds-Tag, das iranische Regime, das Atomwaffenprogramm. Und Israel darf noch immer nicht in Frieden existieren.

Umso erfreulicher ist es, wenn ein Aufruf eine neue Forderung aufstellt, dessen Anlass in den Jahren davor gar nicht denkbar war: „Solidarität mit den emanzipatorischen Kämpfen vor Ort!“, heißt es in Bezugnahme auf die Aufstände in den arabischen Ländern – und „Nieder mit dem Regime in Syrien!“, steht im diesjährigen Aufruf gegen den Al Quds-Tag geschrieben. Reflexartig löste das bei einigen Unverständnis aus: Die Aufstände in den arabischen Ländern brächten nur Islamisten an die Macht, Israel würde gefährdet und Antisemitismus keinesfalls zurückgedrängt werden. Also warum nicht das Beste aus dem Status Quo machen – doch lieber Assad statt Al Qaida? Dieses Unverständnis für die Solidarität existiert zu Unrecht, wie wir mit unserem Redebeitrag klar machen wollen.

Die Auseinandersetzung um Antisemitismus steht im Zentrum des LAK Shalom Berlin. Antisemitismus kann jedoch nicht von den gesamtgesellschaftlichen Zuständen abgekoppelt werden, sondern ist immer Teil eben dieser. Die Kritik des Antisemitismus ist ohne Kritik der Gesellschaft nicht möglich – und andersherum: Die Kritik der Gesellschaft ist ohne Kritik des Antisemitismus nicht möglich. Das zu bedenken gilt es auch im Falle Syriens.

Hierbei müssen wir jedoch eingestehen: Eine umfassende Analyse der syrischen Gesellschaft ist für uns momentan nicht möglich: Einerseits war Syrien bisher in unserer Arbeit eher nebensächlich ein Thema, andererseits ist die dortige Situation zurzeit äußerst unübersichtlich.

Wir wünschen uns daher in der Auseinandersetzung mehr Bescheidenheit und ein Ende reflexartiger Analysen. In Syrien und in den arabischen Ländern wird nicht für die befreite Gesellschaft gekämpft. Klar ist auch, dass sich nicht mal alle syrischen Oppositionellen für politische Mindeststandards begeistern können, wie das Recht auf Leben oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wer also konkret Akteure sind, mit denen sich zu solidarisieren wäre, ist schwierig und eher abstrakt zu beantworten. Sie können nicht mal beim Namen genannt werden.

Es wären aber jedenfalls die Menschen in Syrien, die mit dem Ende des Regimes auch eine Gesellschaft ohne Antisemitismus einfordern und diesen kritisieren – unabhängig davon, ob er von säkular-nationalen oder von djihadistischen Oppositionellen artikuliert wird.

Es wären diejenigen Menschen, die sich für ein wirklich freies Syrien einsetzen, das nicht auf Kosten anderer konstituiert wird: Kein freies Syrien ohne Beteiligung syrischen Frauen, kein freies Syrien ohne Beteiligung syrischer Homosexueller, kein freies Syrien ohne Beteiligung syrischer Jüdinnen und Juden, kein freies Syrien auf Kosten eines Krieges mit Israel. Mit den Menschen, die mit dem Sturz Assads ein solches Syrien verbinden, gilt unsere Solidarität!

Hintergründe und Berichte über die Proteste vom 18. August in Berlin gibt es unter keinalqudstag.tk.

Antiamerikanismus – Zur Geschichte eines europäischen Ressentiments und dem ambivalenten Verhältnis der Linken zu den Vereinigten Staaten von Amerika

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind bis heute eine terra incognita im europäischen Bewusstsein. Der Hass auf die moderne Gesellschaft mit all ihren positiven wie negativen Begleiterscheinungen ist meist mit einem starken Antiamerikanismus verbunden. Historisch war Amerika jedoch oftmals der einzige Fluchpunkt für politisch Verfolgte in Europa. Für Millionen Einwanderer, die vor einer desperaten sozialen Situation flohen, bot es die Möglichkeit eines Neuanfangs. Nicht zuletzt aufgrund der bis heute anhaltenden Immigration haben sich spezifische politische Strukturen herausgebildet, die Amerika als Nationalstaat von den europäischen unterscheidet. Hierzu gehört zum Beispiel ein inklusives Verständnis der Staatsbürgerschaft, das immer wieder neu aushandeln muss, was es bedeutet „Amerikaner zu sein“. Amerika hat sich zur bürgerlichen Gesellschaft par excellence entwickelt.

Mit dem Wissen um diese Besonderheit soll im Vortrag die Geschichte und ideologische Konstitution der Feindschaft gegen Amerika nachgezeichnet und hierbei der Schwerpunkt auf die Haltung der Linken gelegt werden. Diese war historisch keineswegs so eindeutig, wie es heutzutage scheint: So vertraten viele deutsche Revolutionäre im 19. Jahrhundert eine dezidiert pro-amerikanische Haltung und einige forderten gar den Einmarsch amerikanischer Truppen in Europa, um die feudalen Verhältnisse ein für allemal auf den Müllhaufen der Geschichte zu befördern.

Darüber hinaus soll am Beispiel der jüdischen Einwanderung die Debatte zwischen den beiden Polen Melting Pot (Israel Zangwill) und Cultural Pluralism (Horace Kallen) dargelegt werden, die für die aktuellen Diskussionen in Europa über Migration, Integration und Assimilation hohen Erkenntniswert besitzt.

Der Referent Sebastian Voigt promoviert an der Universität Leipzig. Er hat vielfältig zu Themen wie Antisemitismus und Antizionismus sowie der Geschichte der französischen Linken publiziert. Außerdem ist er Verfasser des Buches „Die Dialektik von Einheit und Differenz. Über Ursprung und Geltung des Pluralismusprinzips in den Vereinigten Staaten von Amerika.“, Berlin 2007.

10. August | 19 Uhr | Rosa-Luxemburg-Saal im Karl-Liebknecht-Haus | U-Bahnstation Rosa-Luxemburg-Platz | Berlin

Eine Veranstaltung des Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom der Linksjugend Solid. Die Veranstaltung ist Teil der Mobilisierung gegen den diesjährigen „Al Quds“-Tages am 18. August in Berlin. Weitere Info- und Mobiveranstaltungen findet ihr hier.