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Archiv für Oktober 2013

Vortrag von Olaf Kistenmacher am 22. November in Berlin: Frühe Kritik des Antisemitismus von links. Über Alexandra und Franz Pfemfert, Emma Goldman und Alexander Berkman, Leo Trotzki

Dass es Judenfeindschaft innerhalb der politischen Linken gab und gibt, steht nicht erst seit 1945 in der Kritik. Bereits 1923 zitierte Franz Pfemfert in seiner Zeitschrift Die Aktion entsetzt, dass Ruth Fischer, Mitglied der KPD-Parteizentrale, völkische Studierende auf einer Versammlung ermuntert hatte, „Judenkapitalisten“ zu ermorden. Zur gleichen Zeit gab die US-amerikanische Anarchistin Emma Goldman in ihrem Russlandreisebericht Gespräche mit Jüdinnen und Juden wieder, die wegen eines neuen, sowjetischen Antisemitismus besorgt waren. In seiner Autobiografie Mein Leben, die 1929 auf Deutsch erschien, wies Leo Trotzki darauf hin, dass es in der Hetze gegen den „Trotzkismus“ antisemitische Untertöne gab. 1937 bündelte er in einem Text unter dem Titel „Thermidor und Antisemitismus“ diese Erkenntnisse. Mit dieser Kritik am Antisemitismus in den eigenen Reihen waren Alexandra und Franz Pfemfert, Emma Goldman und Alexander Berkman oder Leo Trotzki nicht repräsentativ für die Mehrheit der anarchistischen, kommunistischen und sozialistischen Linken. Noch während der antizionistischen Verfolgungen in der ČSR, der DDR und der Sowjetunion nach 1945 fiel es selbst jüdischen Kommunistinnen und Kommunisten schwer, die antisemitische Ausrichtung wahrzunehmen. Am Beispiel von Trotzki wird der Vortrag die Schwierigkeiten deutlich machen, das Problem des Antisemitismus anzusprechen, von dem er persönlich betroffen war.

Olaf Kistenmacher promovierte an der Universität Bremen zum Thema „Arbeit und ‚jüdisches Kapital‘. Antisemitische Aussagen in der Tageszeitung der KPD, Die Rote Fahne, während der Weimarer Republik, 1918 bis 1933“. Er schreibt für die Konkret, Jungle World und Phase 2.

Aktuelle Veröffentlichung: Zum Zusammenhang von Antisemitismus und Antizionismus. Die Nahost-Berichterstattung der Tageszeitung der KPD, „Die Rote Fahne“, während der Weimarer Republik, in: Michael Nagel/Moshe Zimmermann (Hg.): Judenfeindschaft und Antisemitismus in der deutschen Presse über fünf Jahrhunderte/Five hundred Years of Jew-Hatred and Anti-Semitism in the German Press, Bremen: Edition Lumière 2013, Band 2, S. 591-608.

Wo?
Schankwirtschaft Laidak, Boddinstr. 42/43, 12053 Neukölln, Berlin

Wann?
Freitag, 22. November, 19 Uhr

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Veranstaltung des Landesarbeitskreis Shalom der Linksjugend Berlin im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus 2013 der Amadeu Antonio Stiftung.

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