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Warum djihadistisch nicht das neue schwul sein sollte – Bericht und Mitschnitt vom Vortrag mit Floris Biskamp

Am 13. Juli referierte Floris Biskamp in Berlin zur Frage ‚Ist djihadistisch das neue schwul?‘ und setzte sich mit den Aporien des Konzeptes vom sogenannten Homonationalismus auseinander, das vor allem Judith Butler und Jaspir Puar vertreten. Mit dem Begriff solle ausgedrückt werden, dass die zunehmende Anerkennung von Homosexualität in westlichen Ländern zu neuen Ausgrenzungsmechanismen geführt habe – beispielsweise gegen queere People of Colour.

Zwar sei diese These durchaus eine Überlegung wert, wie Biskamp festhält, doch würden einige queere Theoretiker*innen daraus die falschen Schlüsse ziehen. So plädiere Puar sogar dafür, Selbstmordattentäter*innen durch eine queere Lesart zu Bündispartner*innen gegen das noch immer vorhandene Ausschließen „des Anderen“ zu gewinnen, da diese nach den Terroranschlägen von 9/11 die vormals von Homosexuellen eingenommene Rolle des als pervers empfundenen Anderen übernommen hätten. Daraus ableitend stigmatisiere Puar jede Kritik an gesellschaftlichen Zuständen in islamisch geprägten Ländern als islamfeindlich, so Biskamp. Dieser Pauschalisierung stehe eine andere gegenüber: So gäbe es in Israel nur deshalb eine vergleichsweise homosexuellenfreundliche Politik, weil dadurch lediglich die Besatzung von Palästinenser*innen verschleiert würde – Israel also sogenanntes „Pinkwashing“ betreibe.

Die Wahrnehmung von Queers of Colour, rassistisch behandelt zu werden, gelte als Beleg für Rassismus. Die Wahrnehmung von Israelis hingegen, sich bedroht zu fühlen, gelte jedoch nicht als legitim – vielmehr artikulierten sich darin paranoide Komplexe. Die Kritik am Othering ende damit am Othering am Judenstaat, wie Biskamp konstatiert. Statt sich polemisch auf muslimische Homophobie einerseits oder rassistischen Homonationalismus andererseits zu fixieren, gelte es beide Probleme anzuerkennen und die Grenzen zwischen Kritik und Rassismus auszuhandeln. Hierzu zähle auch, eine Begrifflichkeit von Emanzipation zu entwickeln, anstatt sich pauschal mit allem Ausgestoßenen zu solidarisieren, wie Biskamp ausführt.

[Download: Ist djihadistisch das neue schwul?]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

BAK Shalom: Beate for Bellevue!

Mit Beate Klarsfeld schickt DIE LINKE die richtige Kandidatin in das Rennen gegen Joachim Gauck um das Amt des Bundespräsidenten.

Beate Klarsfeld

Es ist äußerst beunruhigend, dass Schwarz-Gelb-Grün-Rot mit Gauck einen Kandidaten aufstellen, der mit seiner Trivialisierung des Nationalsozialismus mit dafür sorgt, dass Geschichtsrevisionismus und Schuldabwehr in der deutschen Gesellschaft weiter salonfähig gemacht werden. Die Gleichsetzung von NS-Ideologie und Sowjetkommunismus – wie in der von Gauck unterstützten „Prager Erklärung“ – ist Grundlage dafür, die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands zu relativieren. So kann die Besonderheit des Vernichtungsantisemitismus, die Singularität von Auschwitz, jedoch nicht begriffen werden. Seine Unterstützung für das revanchistische Zentrum gegen Vertreibung in Berlin ist nicht hinnehmbar, weil damit die Gefahr besteht, den Vernichtungskrieg Deutschlands in Osteuropa als Ursache für die heutige Oder-Neiße-Grenze und die Umsiedlung der Deutschen zu vernachlässigen. Ein solches Geschichtsbild tragen wir nicht mit!

Beate Klarsfeld hingegen hat mit ihrem handfesten Engagement dafür gesorgt, dass das NS-Erbe Deutschlands nicht vergessen wird. Ihre historische Ohrfeige gegen Altkanzler Kurt Georg Kiesinger, der von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP war, ist hierfür symbolisch. Als Nazijägerin sorgte sie dafür, dass untergetauchte NS-Persönlichkeiten nicht straflos davonkamen. Gerade in Zeiten des Rechtsterrorismus, des anwachsenden Rassismus und der immer wieder in Teilen der deutschen Bevölkerung aufkommenden Forderungen nach einem Schlussstrich unter den deutschen Verbrechen ist Klarsfeld eine hervorragende Alternative zu Gauck. Auch die bisherige Ablehnung von Rot-Grün und Schwarz-Gelb, Beate Klarsfeld auf Vorschlag der LINKEN das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, lässt den nötigen Respekt für ihre Lebensleistung vermissen.

Ihre konsequente Solidarität mit Israel hat für uns Vorbildcharakter. Sie ist Ausdruck des Bewusstseins für den grauenhaften Vernichtungsantisemitismus des nationalsozialistischen Deutschlands und wie zu verhindern ist, dass sich ähnliches ereigne. Israel ist die zum Staat gewordene Konsequenz aus Auschwitz.

Beate Klarsfeld hat unsere volle Unterstützung. Wir wünschen ihr viel Erfolg in der Bundesversammlung und rufen alle Wahlfrauen und -männer von Piraten, SPD und Grünen – insbesondere Mitglieder der Jusos und Grünen Jugend – dazu auf, sie zur Bundespräsidentin zu wählen.

Weiterführende Links:
Beate Klarsfeld for Bellevue | Facebook Fanseite
Beate Klarsfeld kandidiert | Neues Deutschland (28.02.12)
»Meine Kandidatur ist ein Signal«| Jüdische Allgemeine (28.02.12)
Klarsfeld: “Mein Thema ist Antifaschismus” | publikative.org (28.02.12)
Kulturzeit Gespräch: Beate Klarsfeld | Kulturzeit auf 3sat (27.02.12)
Deutsche, Nichtjüdin, Kämpferin | taz (27.02.12)
Gauck und der Holocaust | taz (22.02.12)
Zuroff: Gaucks Kandidatur “extrem beunruhigend” | publikative.org (21.06.10)

Bericht und Mitschnitt des Vortrags von Olaf Kistenmacher zur Kritik des Antiimperialismus

Am 06. Dezember fand im Berliner Karl-Liebknecht-Haus eine Einführung in die Kritik des Antiimperialismus durch den Historiker Olaf Kistenmacher statt. Anfangs stellte er die Ausarbeitung Rosa Luxemburgs vor, die Imperialismus als Folgeerscheinung des Kapitalismus betrachtete, da dieser für seine Fortexistenz nicht nur ständig nach weiteren Absatzmärkten strebe, sondern auch die kapitalistische Vergesellschaftung in alle Teile der Welt trage. Für Luxemburg hatte die soziale Befreiung aus dem Kapitalverhältnis grundsätzlich unabhängig von einer Nation zu geschehen. Problematischerweise änderte sich diese Auffassung jedoch im Verlaufe der Geschichte linker Bewegungen und Parteien bald.

Hierbei ist festzuhalten: Obwohl Imperialismus dem Kapitalismus immanent ist, ist der Rückschluss falsch, Antiimperialismus sei zugleich auch Antikapitalismus. An dieser Stelle wird nämlich verkannt, dass sich zwei imperialistische Mächte bekämpfen können ohne dabei antikapitalistisch zu sein oder dass imperialistischer Expansionsdrang nicht nur kapitalistisch, sondern auch ideologisch motiviert sein kann, wie das Beispiel des nationalsozialistischen Deutschlands deutlich macht.

Seit den 1920er Jahren wurde kapitalistische Vergesellschaftung und Imperialismus innerhalb der Linken zunehmend moralisierend gewertet. So wurde der Finanzkapitalismus nicht als ein Teil kapitalistischer Verwertung verstanden, sondern als zentrale Ursache sozialer Verelendung. Dies verkennt jedoch, dass auch ohne ausgeprägten Finanzkapitalismus erstes Primat jeder unternehmerischen Tätigkeit die Profitmaximierung ist. Es gibt demzufolge kein „gutes Unternehmertum“, sondern immer nur profitmaximierendes Wirtschaften.

Diese Moralisierung war nicht nur eine Abkehr von der ursprünglichen Kritik am Kapitalismus, wie sie noch Marx und Luxemburg formulierten. Darüber hinaus entwickelte die Linke in zunehmendem Maße die Vorstellung, für kapitalistische Ausbeutung könne eine gewisse Menschengruppe mit einer bestimmten geographischen Herkunft verantwortlich gemacht werden, anstatt die abstrakt-unpersönliche und globalisierte Wirkungsweise des Kapitalismus unabhängig von einer bestimmten Nation zu verstehen. So waren für die Weimarer KPD Großbritannien und die USA Zentren des „parasitären Kapitalismus“, von dem sich dieser „imperialistisch“ ausbreitete.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt ersetzte die Linke die soziale durch die nationale Befreiung, obwohl Luxemburg zuvor deutlich gemacht hatte, dass die Befreiung von Fremdherrschaft durch eine andere Nation rein gar nichts mit der Befreiung von kapitalistischer Vergesellschaftung zu tun habe. Stattdessen wurde der Nationalismus der unterdrückten Völker affirmiert und dabei die antagonistischen Klassenverhältnisse innerhalb der Staaten der sogenannten Dritten Welt und der Kolonien ignoriert. Außerdem verkennt die Bejahung eines Befreiungsnationalismus die Tatsache, dass nationale Befreiungsbewegungen gegen imperialistische Zentren stets maßgeblich von der herrschenden Klasse in den jeweiligen Kolonien geprägt, also auch hier nicht frei von kapitalistischen Motiven waren.

Abschließend verdeutlichte Kistenmacher am Beispiel der Position der KPD der Weimarer Republik zur Palästinafrage, dass darüber hinaus kapitalistische Klassengegensätze fälschlicherweise zunehmend ethnifiziert wurden. So verstand die KPD die Araber im britischen Mandatsgebiet Palästina als die Unterdrückten und die Juden als die Unterdrücker – ohne auf die innerhalb der beiden Gruppen existierenden Klassengegensätze Rücksicht zu nehmen. Darüber hinaus wurde die aus antiimperialistischen Motiven hergeleitete Ablehnung des Zionismus antisemitisch untermauert: So sah die KPD ihre Schwesterpartei in Palästina von Zionisten unterwandert, obwohl die jüdischen Mitglieder der palästinensischen KP keinesfalls die Gründung eines jüdischen Staates forderten. Eine solche Erkenntnis hätte jedoch dem ideologischen Weltbild entgegen gestanden, in dem die Araber Palästinas das revolutionäre Subjekt sein sollten.

Diese Punkte, so Kistenmacher, verdeutlichen die Schwäche des Antiimperialismus: Sein Problem ist nicht, dass er eine berechtigte Kritik am Imperialismus übt, sondern dass sein Konzept suggeriert, dass Imperialismus an einem Punkt habhaft gemacht werden und an einem Ort bekämpft werden könne. Dies wird vor allem dann sichtbar, wenn sich der Antiimperialismus ausschließlich auf die Feindbilder USA oder den Zionismus konzentriert ohne der Komplexität kapitalistischer Vergesellschaftung tatsächlich gerecht zu werden.

[Download: Einführung in die Kritik des Antiimperialismus]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

Olaf Kistenmacher: Einführung in die Kritik des Antiimperialismus

Antiimperialismus

Der Imperialismus wurde erst im frühen 20. Jahrhundert mit den Schriften Wladimir I. Lenins und Rosa Luxemburgs zum zentralen Thema marxistischer Theorie, auch wenn die Analysen bereits in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie angelegt waren. Dabei unterscheiden sich Lenin und Luxemburg wesentlich: Luxemburg analysierte von ihrem antinationalen Standpunkt aus in Die Akkumulation des Kapitals 1913 den Imperialismus als strukturelles Phänomen der weltweiten Kapitalisierung. Lenin hingegen schuf in Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus 1916 die Grundlage, um fortan den Nationen ein „Finanzkapital“ gegenüberzustellen, das die Welt beherrsche. So standen sich global scheinbar zwei Klassen gegenüber: die „unterdrückten Nationen“ auf der einen Seite und dem „Parasitismus, der dem Imperialismus eigen ist“, auf der anderen. Seit Mitte der 1920er Jahre war es üblich, den berühmten Aufruf aus dem Kommunistischen Manifest um ein weiteres revolutionäres Subjekt zu erweitern: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt, vereinigt euch!“

Der Vortrag beleuchtet diese Traditionslinien des linken Antiimperialismus und zeigt, inwiefern der positive Bezug auf die Nationen bis in die Gegenwart ein Problem darstellt. Am Beispiel des Begriffs „Finanzkapital“ wird die Anfälligkeit zu verschwörungstheoretischen Denkweisen deutlich, die ein wesentlicher Grund sind, warum Antiamerikanismus und Antisemitismus innerhalb der Linken nicht verschwinden werden.

Olaf Kistenmacher, Historiker aus Hamburg, Mitglied des Villigster Forschungsforums zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e. V., veröffentlicht in Jungle World, Konkret und Phase 2.

Neuere Veröffentlichungen
• Klassenkämpfer wider Willen. Die KPD und der Antisemitismus in der Weimarer Republik, Jungle World 28, 14. Juli 2011.
• „Jüdischer Warenhausbesitzer finanziert Nazipropaganda“. Antifaschismus und antisemitische Stereotype in der Tageszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands, der Roten Fahne, am Ende der Weimarer Republik, 1928-1933, in: Gideon Botsch/Christoph Kopke/Lars Rensmann/Julius H. Schoeps (Hg.): Politik des Hasses. Antisemitismus und radikale Rechte in Europa, Hildesheim/New York/Zürich: Georg Olms 2010, S. 97-112.

06. Dezember 2011, 18 Uhr
Berlin, Karl-Liebknecht-Haus, Kleine Alexanderstraße 28, U-Bahn-Station Rosa-Luxemburg-Platz

Die Veranstaltung wird vom LAK Shalom Berlin organisiert und findet im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus statt. Bitte ladet Freunde über Facebook ein!

Die Auseinandersetzung um Antisemitismus in der Linkspartei steht noch aus!

Bericht und Mitschnitt der Podiumsdiskussion über Antisemitismus in der Linkspartei

DIE LINKE hat ein Problem mit Antisemitinnen und Antisemiten, diese sind innerhalb der Partei jedoch nicht hegemonial. So lautet das Fazit der Podiumsdiskussion mit Klaus Lederer (Vorsitzender DIE LINKE Berlin, MdA), Katharina König (MdL, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion in Thüringen) und Mario Keßler (Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) vom 25.11.2011 im Rosa-Luxemburg-Saal des Karl-Liebknecht-Hauses in Berlin, moderiert von Lena Kreck und Stefan Gerbing (beide Redaktion prager frühling). Rund 80 Zuhörende kamen zur Veranstaltung.

Eingeladen zur Diskussion hatte der LAK Shalom Berlin, um die Situation innerhalb der Linkspartei hinsichtlich der latent vorhandenen Israelfeindschaft nach der im Frühjahr erschienenen Studie von Samuel Salzborn und Sebastian Voigt und dem Programmparteitag im Herbst zu debattieren. Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren sich darin einig, dass antisemitisch motivierte Israelfeindschaft dem eigenen Anspruch der Partei zuwider laufe. Stattdessen müsse DIE LINKE ihre Fähigkeiten zum Differenzieren stärken, um die antizionistischen Traditionslinien aus der ehemaligen DDR-Doktrin einerseits und dem westdeutschen APO-Antiimperialismus andererseits aufzuarbeiten. Gestritten wurde darüber, wie die Sensibilität für diese Aufarbeitung gestärkt und wie effektiv Antisemitismus als solcher kenntlich gemacht werden könne.

Das vergangene halbe Jahr, so die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer, habe verdeutlicht, dass in zunehmendem Maß Bereitschaft hierfür bestehe. Nichtsdestotrotz betonte Klaus Lederer, dass allein mit Parteibeschlüssen dem Problem des Antisemitismus nicht begegnet werden könne. Die Debatte müsse offensiv weitergeführt werden, um die gesamte Partei auf das Problem aufmerksam zu machen. Katharina König unterstich, dass als Ultima Ratio auch Parteiausschlüsse notwendig seien, um sich eindeutig von regressiven Kräften zu trennen. Mario Keßler unterstich die besondere Bedeutung Israels. So sei der Antizionismus höchst ahistorisch, weil er den Vernichtungsantisemitismus ignoriere, um an der Ablehnung des jüdischen Staates festzuhalten. Dies dürfe eine moderne und geschichtsbewusste Partei nicht zulassen.

[Download: DIE LINKE ein halbes Jahr nach der Antisemitismusdebatte – Ist das Glas halb leer oder halb voll?]
[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

Bericht und Audiomitschnitt des Vortrags „Ob du wirklich richtig stehst… – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position“

Am 28.09.2011 referierte Magnus Henning von der HUmmel Antifa in der Berliner Tristeza über eine mögliche linke Positionierung zum Islam. Organisiert wurde die Veranstaltung vom LAK Shalom Brandenburg mit Unterstützung von DIKA e.V.

Die Veranstaltung knüpfte an Floris Biskamps Vortrag Feindbild Islam? vom Anfang dieses Jahres an. Dieser machte ein in der Gesellschaft stärker werdendes Ressentiment gegenüber MuslimInnen aus, betonte aber zugleich, dass Kritik und Ressentiment nicht immer klar voneinander zu unterscheiden sind.

Hier setzte Magnus Henning an und erklärte, dass es durchaus klare Merkmale gibt, um einen Unterschied zu erkennen: So zielt das Ressentiment darauf ab, Menschen über Kategorien wie Ethnie oder Religion bestimmte unveränderliche Eigenschaften oder Meinungen zuzuschreiben. Die Kritik hingegen ermöglicht es den Kritisierten, sich zu ihr zu verhalten. „Entweder zielen die Argumente auf den unterdrückerischen Charakter der islamischen Ideologie oder alles, was da über den Islam zusammengetragen wird, verdichtet sich zu einer ethnopluralistischen Argumentation gegen die Migration“, so Henning.

RechtspopulistInnen als IslamkritikerInnen zu bezeichnen, ist demzufolge falsch. Ihnen geht es nicht darum, sich dem politischen Islam entgegen zu stellen. Stattdessen zielen sie lediglich darauf ab, die eigene Volksgemeinschaft vor der Überfremdung zu bewahren: „Wenn der Islam von diesen Leuten herangezogen wird, geht es darum, vor der Islamisierung zu warnen, also vor der Übernahme Europas durch fremde Mächte, nicht um die Ablehnung einer regressiven gesellschaftlichen Praxis.“, erörterte Henning.

Doch nicht nur RechtspopulistInnen wurden der Kritik unterzogen. Auch innerhalb der Linken gibt es ein positives Ressentiment gegen den Islam. Hierbei werden die AnhängerInnen des Islams pauschal unter besonderen Schutz genommen, da sie sich angeblich einem westlich-hegemonialen Diskurs ausgesetzt sähen. So sei die Kritik an verbreiteten rückschrittlichen Praktiken im muslimischen Glauben immer mit Rassismus verbunden, da lediglich die Aufklärung gegen die Werte des Islams in Stellung gebracht würden. „Bei denen, die die Werte der Aufklärung als eurozentrisch denunzieren, kann es nur um Dekonstruktion gehen, die keine Richtung kennt. Sie ist demnach nicht mehr als bloße Denkübung. Man mag vielleicht die Werte der Aufklärung als gedankliches Konstrukt entlarven, das hegemonial geworden ist, aber damit ist noch nichts gewonnen. Es muss im Sinne der Kritischen Theorie darum gehen, die schlechte Vermittlung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft zu kritisieren und durch eine bessere ersetzen zu wollen. Unter postmodernen DekonstrukteurInnen ist es jedoch eher en vogue die Differance durch wahllose Zertrümmerung durchzusetzen, ohne sich die Frage nach Sinn und Unsinn zu stellen“, sagte Henning in diesem Zusammenhang und erwähnte positiv die Revolutionäre in Tunesien, die sich Laizismus und Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben. So meinte Henning, dass das Problematische an der Aufklärung und der Moderne nicht ist, dass sie zuerst in Europa entstanden, sondern dass ihre Werte lange Zeit anderen Menschen vorenthalten wurden.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem über die Wirkmächtigkeit islamischer Ideologie gestritten. Während Magnus Henning die Position vertrat, dass die Chance für eine Öffnung des Islams durch liberale oder säkulare Kräfte eher gering ist, argumentierten viele ZuhörerInnen, dass nicht die Verbreitung regressiver Glaubenspraktiken ursächlich für Islamismus ist, sondern generell die soziale und politische Stagnationen in den muslimisch geprägten Ländern.

[Download: Ob du wirklich richtig stehst… – die Linken, die Islamkritik und die Suche nach einer Position]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

Keine linke Zusammenarbeit mit dem iranischen Regime

Rede des LAK Shalom Berlin auf der Demomstration unter dem Motto “Kein Al Quds-Tag! Gegen Islamismus und Antisemitismus! Solidarität mit Israel” am 27.08.2011 in Berlin, gehalten von Stefan Kunath.

Der Druck auf das iranische Regime muss nicht nur wegen des Baus an der Atombombe ausgeübt werden, sondern auch wegen der massiven Menschenrechtsverbrechen. Die deutsche Kollaboration mit dem iranischen Regime darf dabei nicht unwidersprochen bleiben. Dies müsste erst recht Aufgabe einer Oppositionspartei wie DIE LINKE sein!

Doch die Menschenrechtspolitik wird im Nahen und Mittleren Osten in dieser Partei viel zu oft durch die Brille des Antiimperialismus gesehen.

Anstatt die Ajatollahs als oberste Feinde der Menschlichkeit zu erkennen, stehen die USA und Israel als die vermeintlichen Schuldigen für die Probleme der Region dar.

Aus einem antiimperialistischen Reflex heraus muss erst die Hegemonie der USA bekämpft werden, und erst dann – wenn überhaupt – das iranische Regime. Dies führt soweit, dass das Einfordern von Menschenrechten in Teilen der LINKEN als propagandistische Kriegsvorbereitung verklärt wird. So meint Inge Höger, dass das Anliegen der Verbesserung der Menschenrechtslage in Iran im Kontext der geopolitischen Eskalationsstrategie gegen den Iran steht.

Diese falsche Analyse befördert den Schulterschluss zwischen Linken und dem iranischen Regime und ist Verrat an der iranischen Freiheitsbewegung!

Wenn wir hier stehen, so demonstrieren wir nicht nur gegen den antisemitischen Al Quds-Tag, sondern wir streiten zugleich dafür, dass sich die Linke von ihren antiimperialistischen Komplexen befreit und klar Stellung gegen die Ajatollahs bezieht!

Die Linkspartei im Speziellen ist hierbei kein homogener Block: So unterstützt Petra Pau zu Recht die Kampagne STOP THE BOMB.

Dies ist auch der Anspruch der heutigen Demo: Ein demokratischer Wandel in Iran und die Befriedung des Nahen und Mittleren Ostens im Interesse aller Menschen kann nur erreicht werden, wenn der Bau der Atombombe verhindert wird!

Das Einfordern von Menschenrechten und die Verhinderung der Atombombe sind die Grundvoraussetzungen für einen freiheitlichen Systemwechsel in Iran und in der Region.

Das ist unser Ziel, und das muss auch das Ziel der LINKEN hier in Deutschland sein!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Mitschnitt des Vortrages Arabischer Nationalismus, moderner Antisemitismus und die Auslandspropaganda der Nationalsozialisten

Am 24. August 2011 referierten im Centrum Judaicum in Berlin Vera Henßler und Hannes Bode über arabischen Nationalismus, modernen Antisemitismus und die Auslandspropaganda der Nationalsozialisten.

Letztere konnten ihre antisemitische Propaganda deshalb in die arabische Region ausbreiten, weil dort zum einen durch den seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingesetzten Modernisierungsprozess ähnlich wie in Europa ein antisemitischer Mechanismus zur Krisenbewältigung entstand. Zum anderen wurde das Deutsche Reich im Gegensatz zum Ottomanischen Reich, Frankreich und Großbritannien in der Region nicht direkt als koloniale Macht und demzufolge als antikolonialer Verbündeter wahrgenommen.

Im Zweiten Weltkrieg intensivierten die Nationalsozialisten ihre propagandistischen Anstrengungen, um die arabischen Herrscher für Deutschland zu gewinnen. Die deutsche Herrenvolk-Ideologie gegenüber den Arabern wurde durch den Antisemitismus überdeckt. Dieser fungierte als gemeinsames Bindeglied zwischen Deutschen und Arabern im Kampf gegen das „Weltjudentum“. Antisemitismus in der muslimischen Region ist demzufolge nichts typisch islamisches, sondern nur eine Anpassung des modernen Antisemitismus, der jedoch den Islam zur Verbreitung seiner Ideologie nutzbar machte.

Die Propaganda der Nationalsozialisten hatte aber nur bedingt Erfolg. Dies lag an der von den Alliierten betriebenen Gegenpropaganda, die die rassistische Ideologie der Nationalsozialisten gegenüber allem Nicht-Deutschen betonte. Außerdem waren auch die arabischen Gesellschaften politisch heterogen, sodass antisemitische Aussagen nicht unwidersprochen blieben.

Den gesamten Vortrag könnt ihr euch mit dem Audio-Player anhören:

[Weitere Informationen]