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„Frühe Kritik des Antisemitismus von links. Über Alexandra und Franz Pfemfert, Emma Goldman und Alexander Berkman, Leo Trotzki“ – Mitschnitt vom Vortrag mit Olaf Kistenmacher

Der Vortrag wurde am 22. November in Berlin gehalten. Hier gibt es die Veranstaltungsankündigung.

[Mitschnitt: Frühe Kritik des Antisemitismus von links. Über Alexandra und Franz Pfemfert, Emma Goldman und Alexander Berkman, Leo Trotzki]

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

„Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt“? Zur Kritik des marxistisch-leninistischen Antiimperialismus – Vortrag und Diskussion mit Olaf Kistenmacher

Das Jahr 2013 begann vielversprechend: Zum ersten Mal lösten sich emanzipatorische Linke von der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration, deren ideologischer Dreh- und Angelpunkt die Huldigung nationaler „Befreiungsbewegungen“ gegen den „westlichen Imperialismus“ ist. Mit der Nation gegen das Kapital – ausgestattet mit einem derartigen Politikverständnis ist es wenig überraschend, dass regelmäßig der Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus geschändet wurde und es zu physischen Angriffen auf andere Demonstrationsteilnehmenden kam, die nicht in das Weltbild der noch immer überwiegend marxistisch-leninistischen Pilgernden passten.

Notwendiger- und richtigerweise musste die alternative Rosa & Karl-Demonstration das „gesamtlinke“ Porzellan der traditionellen LL-Demo zerschlagen, denn eine emanzipatorische Neuausrichtung der Linken ist ganz und gar zum Scheitern verurteilt, wenn sie die Nation als Bollwerk gegen die allgegenwärtige Ausbeutung nutzen will. Nun – drei Monate nach dem Spektakel – ist es an der Zeit, aus den Porzellanscherben in diffiziler Kleinstarbeit das emanzipatorische Potential von Luxemburgs Gesellschaftskritik herauszuarbeiten. Dies schließt ausdrücklich eine Kritik an traditionellen antiimperialistischen Positionen mit ein.

Hierzu wird der Vortrag von Olaf Kistenmacher die Anfänge des Antiimperialismus in den 1920er Jahren beleuchten. Zu dieser Zeit war es innerhalb der Kommunistischen Internationale üblich, den berühmten Aufruf von Friedrich Engels und Karl Marx folgendermaßen zu erweitern: „Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker der Welt, vereinigt euch!“ Außer für die soziale Befreiung sollten Kommunistinnen und Kommunisten für die „nationale Befreiung“ kämpfen. Das war in der marxistischen Linken nicht immer so. Rosa Luxemburg, die 1913 in ihrem Hauptwerk Die Akkumulation des Kapitals den Imperialismus aus marxistischer Sicht analysierte, warnte 1918, dass das „famose ‚Selbstbestimmungsrecht der Nationen‘“, auf das sich auch die Bolschewiki in Russland beriefen, „nichts als hohle kleinbürgerliche Phraseologie und Humbug“ sei. Doch die Komintern knüpfte an Wladimir I. Lenins Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus an, in dem er den unterdrückten Menschen und Völkern ein mächtiges „Finanzkapital“ gegenüberstellte. 1927 bildete sich in Europa eine „Liga gegen Imperialismus und für nationale Unabhängigkeit“. Schon im gleichen Jahr scheiterte in China der Versuch, die nationale Befreiungsbewegung und die KP China im Kampf gegen den britischen Imperialismus zu vereinen. Zwei Jahre später geriet die antiimperialistische Politik im Nahen Osten in ein Dilemma …

Olaf Kistenmacher, Historiker und Mitglied des Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus, veröffentlicht in Konkret und Jungle World.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen:
Schuldabwehr als Motiv für Israel-Feindschaft in der politischen Linken?, in: Associazione delle talpe/Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen (Hg.): Maulwurfsarbeit II. Aufklärung und Debatte, Kritik und Subversion, Berlin 2012, S. 51-60.
„Jüdischer Warenhausbesitzer finanziert Nazipropaganda“. Antifaschismus und antisemitische Stereotype in der Tageszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands, der Roten Fahne, am Ende der Weimarer Republik, 1928-1933, in: Gideon Botsch/Christoph Kopke/Lars Rensmann/Julius H. Schoeps (Hg.): Politik des Hasses. Antisemitismus und radikale Rechte in Europa, Hildesheim/New York/Zürich 2010, S. 97-112.

Die Veranstaltung wird vom Landesarbeitskreis (LAK) Shalom Berlin organisiert und findet am 14. März um 19 Uhr in der Schankwirtschaft Laidak (Boddinstr. 42/43 • 12053 Neukölln, Berlin) statt.

Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus – Bericht und Audiomitschnitt der Veranstaltung mit Sebastian Voigt

Am 13.04. fand in den Räumen der Berliner Amadeu Antonio Stiftung der Vortrag von Sebastian Voigt unter dem Titel „‚Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?‘ – Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus“ statt. Eingeladen hatte der AK Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung und der Landesarbeitskreis (LAK) Shalom der Linksjugend Solid Berlin.

Sebastian Voigt erklärte anhand der Occupy-Bewegung und der Gewerkschaften, dass nicht jede Ablehnung des Kapitalismus fortschrittlich sein müsse. Anstatt die Ausbeutungsverhältnisse als wertförmig vermittelt zu begreifen, würden konkrete Verantwortliche für soziale Missstände gesucht. Mit dieser Personalisierung kapitalistischer Verhältnisse gehe oftmals eine moralisierende Kritik einher. Dies könne bis zur Gegenüberstellung von „ehrlicher deutscher Muskelkraft“ einerseits und „parasitären Kasinokapitalismus“ andererseits führen, obwohl Produktion und Zirkulation miteinander einhergingen, so Voigt.

Dies sei daher auch das Einfallstor für Formen des ressentimentgeladenen Antikapitalismus. So würden beispielsweise die negativen Aspekte kapitalistischer Vergesellschaftung pauschal den USA oder den Juden zugeschrieben. Auf Moshe Postone verweisend könne so der moderne Antisemitismus als biologisierter Antikapitalismus verstanden werden, wobei Oberflächenphänomene wie der Zins, der Börsenhandel etc. mit dem „internationalen Judentum“ identifiziert werden. Solche Denkweisen seien in der Occupy-Bewegung vertreten und würden oftmals nicht sanktioniert, wie Voigt veranschaulichte.

[Download: „Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?“ – Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus] Möglicherweise dauert die Verbindungsherstellung zur Datei einen kleinen Augenblick.

[Weitere Vorträge vom BAK Shalom]

„Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?“ – Zur Kritik des regressiven Antikapitalismus

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Voigt

„Geld regiert die Welt, doch wer regiert das Geld?“ Derartige Parolen finden sich auf fast jeder Demonstration der Occupy-Bewegung. Ein Prozent der Bevölkerung scheint die Fäden in der Hand zu halten, die Ökonomie zu kontrollieren und auf wundersame Weise reich zu werden. Dem stehen die 99 Prozent gegenüber, die sich auf der moralisch richtigen Seite wähnen und sich empören.

regressiver Antikapitalismus

In dieser vereinfachenden Sicht kommt ein verdrehtes Verständnis der kapitalistischen Gesellschaft zum Ausdruck. Statt die kapitalistische Vergesellschaftung als ein soziales Verhältnis zu kritisieren, wird nach vermeintlichen Hintermännern gesucht, die für die Krise verantwortlich seien. Bei der Suche nach den konkret Schuldigen ist der Antisemitismus nicht weit.

Diese Zusammenhänge sollen in dem Vortrag beleuchtet werden. Außerdem soll diskutiert werden, wann eine Kritik am Kapitalismus Gefahr läuft, regressiv zu werden und antisemitische Ressentiments zu bedienen.

Der Referent Sebastian Voigt hat vielfältig wissenschaftlich und journalistisch unter anderem zu den Themen Antisemitismus und Antiamerikanismus publiziert.

Die Veranstaltung wird organisiert vom AK Antisemitismus beim Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung und vom LAK Shalom Berlin der Linksjugend Solid.

Wann?
13. April (Freitag), 19 Uhr
Wo?
Amadeu Antonio Stiftung
Linienstraße 139
10115 Berlin